Erster Bibernachweis im Kreis Offenbach

Erster Bibernachweis in Rodgau / Kreis Offenbach
NABU entdeckt Spuren des Landschaftsgestalters

Rodgau/Wetzlar; Am Mittwoch konnte der NABU in Rodgau im Kreis Offenbach erstmals eindeutige Nagespuren des Bibers nachweisen und belegen. Damit mehren sich die Hinweise auf die Anwesenheit von Bibern im Kreis Offenbach. Der bis zu 1,30 große Biber (mit Schwanz) leistet als Landschaftsbauer der Auen einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Der NABU ruft die Bevölkerung zur Mithilfe auf, weitere Spuren des „Meister Bockert“ zu melden.

„Die gefällten jungen Bäume fanden sich im Bereich der renaturierten Rodau“ freut sich der NABU-Biberbeauftragte Hans Schwarting. Auch bei Obertshausen-Hausen war zu Jahresanfang ein Verdacht auf Biberspuren gemeldet worden. Bereits im April 2009 wurde dem NABU ein Biber am Braubach bei Maintal-Dörnigheim am Main gemeldet.
Damit scheint sich also mindestens ein Biber in diesem Bereich dauerhaft niedergelassen zu haben, so der NABU. Dies sei sehr zu begrüßen, weil damit die etwa 15 km entfernten Vorkommen an der Gersprenz hoffentlich bald mit den Vorkommen der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis vernetzt würden und die Wahrscheinlichkeit von Familiengründungen steige.

Vermutlich handelt es sich um einen „Pionier“ aus einem benachbarten Bibervorkommen. Entscheidend für eine Etablierung der Biber im Kreis Offenbach wäre die Bildung einer Biberfamilie mit Jungtieren. Daher ruft der NABU Spaziergänger dazu auf, auf Spuren des Bibers zu achten und diese zu melden (Hans Schwarting, Tel. 0 610 6-66 80 88, Email: Hans.Schwarting@t-online.de). Nachweise sind abgenagte Stämmchen, die deutlich dicker als ein Daumen sind, sowie gebaute Dämme in Bächen. Beides kann nämlich der dem Biber ähnliche Nutria nicht leisten. Jetzt im Winter sind solche Spuren gut zu finden, weil die Ufer-Vegetation an den Bächen zusammengefallen ist. Stören kann man den Biber dabei kaum, da er sich tagsüber in einer Röhre im Ufer oder in einer Biberburg aufhält. Zur Dämmerungszeit sollte man aber keine Hunde frei am Ufer herumlaufen lassen.
Der Biber ist in aller Regel nachts aktiv. Er hält keinen Winterschlaf und muss jetzt, da es keine Uferstauden zu fressen gibt, die Rinde von Bäumen fressen. Am liebsten mag er dünne Zweige von Weiden und Pappeln. An Erlen oder Nadelbäume geht er fast nie. Nach dem Abnagen verwendet der Biber die Stämmchen manchmal zum Bau einer Biberburg oder für einen Damm. Dies macht er, wenn der Wasserstand geringer als 50 cm, oder die Strömung zu hoch ist. Denn diese Wassertiefe braucht Deutschlands größtes Nagetier, um Tauchen zu können.

Im Flachland der Untermainebene ist mit Biberdämmen eher selten zu rechnen. Dies tritt im Mittelgebirge aber regelmäßig auf. Der Biber kann mit den Dämmen den Wasserabfluss nicht nur bremsen, sondern auch über die Ufer in die Auen lenken. Dann können Biberseen entstehen, die gerade im Flachland eine enorme Größe entwickeln können. Auf diese Weise bremst der Biber den Wasserabfluss an kleinen Bächen. Viele Biberfamilien können so in der Summe einen wichtigen Beitrag zu Hochwasserschutz und Grundwasserneubildung leisten.

Mit den neuen Strukturen bringen die Biber viel mehr Artenvielfalt in die Auen. Von den Biberseen profitieren zum Beispiel Frösche, Molche, Fische, Wasservögel, zahllose Libellen und andere Insekten. Auch die abgenagten, toten Bäume sind eine wichtige Bereicherung der Natur, weil sie im aufgeräumten Forst viel zu selten sind.
Wichtige Obstbäume in einer Nähe von 30 m zur Rodau sollten allerdings vorsichtshalber mit einer Maschendrahtzaun-Manschette (im Erdboden verankern!) geschützt werden, rät der NABU. Der Biber kann nämlich auch Gärten besuchen. Landwirte sollten bei Anwesenheit von Bibern nicht zu nah an Bäche heranfahren, weil die unterirdischen Biberröhren bis zu 10 m vom Ufer wegführen können (in einem Einzelfall sogar 30 m). Hier können Traktoren evtl. einsinken.
„Daher ist es so wichtig, dass wir wissen, wo die Biber sitzen, damit mit man Schäden auch vermeiden kann“, so Schwarting.
Gefällte Bäume sollen auf keinen Fall weggeräumt werden, da der Biber dann neue fällen muss, um an Futter zu kommen