„Natur vor der Haustür“ - Im Jügesheimer Feld, zwischen Wasserturm und „Russenhütte“

 

Awa NABU Rodgau bemigEinführung der GRAUSPECHTEDie Abendwanderung des NABU Rodgau führte durch die Flur und entlang des Waldrandes östlich des Wasserturmes.

Klaus Benedickt vom NABU Rodgau veranschaulichte 21 Teilnehmer:innen Aspekte über Artenschutz in der Kultur- und Agrarlandschaft. In der abwechslungsreichen Landschaft östlich der B45 findet man neben Acker- und Wiesenflächen auch Streuobstwiesen, Baum- und Gehölzinseln sowie Feuchtgebiete und ein Vogelschutzgehölz.

 

 

 

 

 

 

P1120704 Wassserturm Jügesheim KBenedicktWasserturm JügesheimAusgangspunkt war der Wassserturm in dem seit etlichen Jahren ein Turmfalkennest besetzt ist.
Die gelungene Ansiedlung der Falken kann als erfolgreiche Artenschutzmaßnahme angesehen werden.
Jedes Jahr gibt es erfolgreiche Bruten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1180734 Nehlsee KBenedicktNSG NehlseeP1120682 NSG Nehlsee KBenedicktNSG NehlseeP1120620 Wiesensalbei salvia pratensis KBenedicktWiesensalbei, salvia pratensis

 

 

 

 

 

  

 

 

 

kleiner Sauerampfer rumex acetosella KBenedickt P1120713kleiner Sauerampfer, rumex acetosellaP1180725 Raue Nelke Dianthus armeria KBenedicktRaue Nelke, dianthus armeria

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonderes Interesse rief der Nehlsee hervor, der mit dem vorgelagerten Trockenrasen und dem Übergang zu den Teichen, ein artenreiches Biotop darstellt. In diesem Lebensraum blüht u.a. der Wiesensalbei, die Heidenelke und die Sumpfkratzdistel. In den trockeneren Flächen breitet sich der rötlich blühende kleine Sauerampfer flächig aus. Die kleine Goldschrecke und Tagfalter, wie der kleine Heufalter, zeigen sich hier.

 

Nehlsee kleiner Rohrkolben typha minima KBenedickt P1120723kleiner Rohrkolben, typha minimaIn den Teichen wächst der schmalblättrige Rohrkolben. Die fehlende Feuchtigkeit ließ die in den Nasswiesen übliche Blühvielfalt noch vermissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Awa 1 NABU Rodgau Waldbock Spondylis buprestoides bemigWaldbock, spondylis buprestoidesAwa 2 Ameisen Sackkäfer clytra laeviuscula bemigAmeisen-Sackkäfer clytra laeviusculaAwa 3 Distelfalter vanessa cardui HansSchwartingDistelfalter, vanessa carduiZwei Käfer und ein Tagfalter konnten erspäht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1180737 Ackerrandstreifen KBenedicktAckerrandstreifen P1180741 Gräsergemeinschaft KBenedicktGräsergemeinschaft wolliges Honiggras Holcus lanatus Glatthafer Arrhenatherum elatius KBenedickt P1120763wolliges Honiggras, Glatthafer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1180781 gewöhnl Ruchgras anthoxanthum odoratum und Große Bibernelle pimpinella major KBenedicktgewöhnl. Ruchgras und Große BibernelleAn den Feldrändern stehen Grasgemeinschaften hoch an. Hier finden Pflanzengemeinschaften wie das wollige Honiggras, die weiche Trespe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1180090 Wiesen Labkraut galium album KBenedicktWiesen Labkraut, galium album P1180097 echte Kamille matricaria chamomilla KBenedicktEchte Kamille, matricaria chamomillaKräuter wie die echte Kamille und das Wiesen-Labkraut finden hier den Rückzugsraum in der Agrarlandschaft. Daher haben die Randstreifen am Feld einen hohen ökologischen Stellenwert.

 

 

 

 

 

 

 

 

P1120644 Streuobstwiese KBenedicktStreuobstwieseP1120643 KBenedicktEntlang des WegesSteinkauzröhre P1120566 KBenedicktSteinkauzröhre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorbei an Streuobstwiesen erreichten wir den Waldrand hinter der Reitanlage. Etliche Vogelnistkästen wurden wahrgenommen, u.a. eine Steinkauzröhre, die in den Streuobstwiesen verteilt, das Überleben dieser Kleineulenart sichert. Die Eulen AG des NABU Rodgau ist auch hier aktiv gewesen. Aspekte des Vogelschutzes, insbesondere die zurück gehenden offenen Ackerflächen, als Brutfläche für die inzwischen wenig an zu treffende Feldlerche, wurden thematisiert.

 

P1180751 KBenedicktKornblumenfeldKornblume centaurea cyanus HansSchwarting KornblumeEin mit Kornblumen durchsetztes Gerstefeld funkelte in der Abendsonne. Es fällt auf, daß immer wieder Getreidefelder mit Blühpflanzen wie Kornblume oder Roter Mohn durchsetzt sind. Durch den Fruchtwechsel ist das Feld aber kein Dauerstandort für Blüher, die „Farbkleckse“ eher etwas für die Optik.

 

 

 

 

 


P1180764 KBenedicktÜber den Hainhäuser-Seligenstädter Weg, ging es zu den Wiesen auf der Flur „Die Eichenstauden“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Windwurf am Oberwald 2018 KBenedickt Windwurf am Oberwald P1120658 KBenedicktBlick auf WindwurfDer Windwurf von 2018 ergrünt wieder aber nur durch die sich ausbreitende Traubenkirsche. Sie ist ein Futterstrauch für Wildvögel, wenn sie aber überhand nimmt, dann wird sie im Forst ungern gesehen. Viele trockene Kiefern stehen entlang der Fläche.Die Aufforstung wurde eingeleitet aber die Fläche zeugt im Moment noch von derextremen Wucht des Sturms. Der Klimawandel wird hier konkret anschaulich.

 

 

 

 

 

P1180778 Waldgeissblatt lonicera periclymenum KBenedicktWaldgeissblatt, lonicera periclymenumP1180768 Frauenfarn athyrium filix femina KBenedicktFrauenfarn, athyrium filix-feminaVorbei an den wieder ergrünten Pappeln des Feuchtgebietes „In den Meisenseen“, hörten wir den Ruf des Kuckucks und bestaunten die filigrane Blüte des Waldgeißblattes, das sich an einem Ginsterstrauch festgewickelt hat. Frauenfarn, blühende Brombeeren, Ginster und die Knoblauchrauke, die Nektarpflanze des Aurorafalters, begrenzen den Wegrand.

Auf den Wiesen vor dem Wald entdeckten wir ein äsendes Reh und zwei Feldhasen reckten ihre Löffel aus dem hohen Gras empor. Ein seltener Anblick für den sechsjährigen Schüler, der mit seiner Mutter die Gruppe begleitet.

 

 

 

 

1 1 Schwarzkehlchen NABU RodgaubemigSchwarzkehlchenAn einem Gehölzstreifen hörten wir dem Schwarzkehlchen, auf hoher Warte sitzend, beim Abendgesang zu. Eine außergewöhnliche Sichtung, da sich diese Vogelart eher selten in dieser Flur zeigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1180739 Blick zum Vogelschutzgehölz KBenedicktBlick zum VogelschutzgehölzP1180816 KBenedicktP1180798 KBenedickt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Auch die Nachtigall bot am Vogelschutzgehölz „Russenhütte“ eine kurze Gesangsdarbietung. Sie ist in den letzten Jahren oft in der Gemarkung zu hören. Sie besiedelt gerne die Gehölzstreifen in der Flur. Der im Gehölz versteckte Teich führt sogar noch Wasser. Als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, sollte man die Fläche aber besser nicht betreten.

Zur Vogelzugzeit ist das Gehölz als Rastplatz für ziehende Singvogelarten beliebt. Es halten sich dann auch eher seltene Vogelarten wie Pirol, Sumpfmeise, Zaunkönig und auch mal ein Wachholderdrosselschwarm hier auf. Graureiher und Storch kommen oft an die Wiesen vor dem Gehölz um Insekten oder Mäuse zu jagen. Auch wenn einige beliebte Vogelarten zu hören waren, so waren die Sichtungen insgesamt eher gering.

In der ehemaligen Feldbrandstelle „Russenhütte“ brannte man bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts Backsteine („Russen“), die in etlichen Häusern der Schwesternstrasse in Jügesheim verbaut wurden. Die Giebel mit den lackierten Steinen sind eine bauliche Besonderheit.

Auswirkungen des Klimawandels, z.B. Folgen durch die mangelnde Feuchtigkeit im Boden, wurde durch eine in Betrieb befindliche Bewässerungsanlage an einem Kartoffelfeld sichtbar. Der zu geringe Niederschlag macht die Nutzung der Grundwasservorkommen erforderlich. Das Gebiet wurde schon vor langer Zeit durch Trockenlegungsmaßnahmen zur Gewinnung von Agrarflächen beeinflußt. So ist der Keberngraben als einzige Entwässerungslinie in westliche Richtung übrig geblieben. Der Verlauf wurde im Siedlungsgebiet kanalisiert.

Das Spannungsfeld von Agrarlandschaft und Artenvielfalt war präsent. Die Gefährdung und Erhaltung von Rückzugsräumen einheimischer Wildpflanzen wieGräser und Sträucher, wurden an Weg- und Waldrändern verdeutlicht. So konnten die Teilnehmer:innen konnten aus ihrer Wahrnehmung Aspekte des Artenschutzes, in positiver wie auch negativer Hinsicht, nachvollziehen.

 

P1180833 Abendstimmung KBenedicktAbendstimmungBevor es zurück zum Wasserturm ging, bot der Sonnenuntergang hinter dem Jügesheimer Wahrzeichen noch ein besonderes Lichtspiel. Die abendliche Stimmung unterstrich, wie wichtig eine artenreiche Landschaft für Mensch und andere Lebewesen ist.

 

Fotos: Klaus Benedickt, Birgit Emig, Hans Schwarting