„Natur vor der Haustür“, ist ein beliebtes Motto für eine Wanderung durch einen naturnahen Landschaftsteil Rodgaus. 26 naturinteressierte Rodgauer und Vereinsmitglieder des NABU Rodgau folgten Klaus Benedickt durch das NSG Rodau-Wiesen bei Rollwald.
Das Naturschützer zeigte die Besonderheiten der Biotope auf und beantwortet viele Fragen zum Schutz der Fläche.
Vom Radweg entlang der Bahnseite aus konnte man die Ausdehnung des Auengebietes gut erfassen.
Blüten auf der vom NABU Rodgau gepflegten Blühwiese „Die Feldseite“ leuchteten: Beinwell, Wiesen-Witwenblume und Wiesen-Margerite. Hier sollen Insekten ihre Nektarpflanzen finden. Die Rodauwiesen sind eines der ältesten NSG in Rodgau. Seit 1986 werden hier seltene (leider inzwischen nicht mehr vollständig vorhandene)
Vogelarten und Pflanzen des Lebensraumtyps „Feuchtwiesen“ geschützt.
Kiebitz, Bekassine und der Waldwasserläufer, ein Wald- und Wiesenbewohner, waren hier heimisch. Die Besonderheit des Waldwasserläufers ist, daß er ein Baumbrüter ist und verlassene Nester von Drosseln bevorzugt. Er lebt abseits anderer Watvogelgemeinschaften.
Geringere Niederschläge, Trockenlegung von Feldflächen und ausbleibende Überschwemmungen durch die Rodau sind die Gründe für deren Verschwinden. Die genannten Vogelarten brauchen Feuchtwiesen für ihren Fortbestand.
Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der natürliche Lauf der Rodau begradigt. Renaturierungsmaßnahmen versetzten den Bach vor ca. 15 Jahren aber wieder abschnittsweise in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Jetzt soll die Rodau wieder, durch Schlingen, Steilufer und Flachwasserzonen für die erwünschte Durchfeuchtung sorgen. Nicht nur Fische und Amphibien, sondern auch der Eisvogel profitieren davon. Der Biber hat sich mit einer Burg einen Standort geschaffen.
Entlang der Rodau stehen teils alte Weiden, Pappeln und Erlen. Je älter der Baum umso eher kann er als Habitatbaum für Vögel dienen. Alte Astlöcher sind natürliche Bruthöhlen für Singvögel, Spechte und Steinkauz. Ein Kuckuck meldete sich im Verlauf der Wanderung mehrmals von einer hohen Weide aus zu Wort.
Der Teich vor der Kläranlage Oberroden und der ihn umgebende Schilfgürtel sind ein weiteres Biotop des NSG.
Es ist der Lebensraum von Wasserfrosch, Kammolch, Schwarzkehlchen und Sumpfrohrsänger.
Sumpf-Blutauge, Krebsschere und Sumpf-Veilchen wurden hier als typische Feuchtgebietsflora nachgewiesen. Der Schilfgürtel ist so üppig, daß ein Einblick in das Stillgewässer nicht möglich ist.
Die Dünen- und Heidelandschaft im südlichen Waldabschnitt Richtung Breidert, ist ausgewiesener Landschaftstyp im Gutachten zur Schutzwürdigkeit des NSG.
Hier waren ehemals Sand-Strohblume und Silbergras vorhanden, typische Vertreter von Sandmagerrasen. Dafür haben sich Trauben-Eichen und Kiefern zu imposanten „Riesen“ entwickelt.
Am Waldrand, gegenüber der Kläranlage Oberroden, warfen wir noch einen Blick auf die Wiesen.
Grünland wird zunehmend seltener und daher vorrangig, sofern geeignet, unter Schutz gestellt.
Der hier vorherrschende Wiesentypus wird als Fuchsschwanz-Glatthaferwiese bezeichnet.
Wiesen in einem NSG werden nicht gedüngt, daher kann sich eine artenreiche standorttypische Flora entwickeln. Fuchsschwanz, Rispengräser, Wolliges Honiggras und Deutsches Weidelgras sind einige der typischen Vertreter der Gräsergemeinschaft.
Auf der Fläche befinden sich aber auch Blüh- und Krautpflanzen. So konnten wir Wiesen-Salbei, Ackerwicke, Wiesen-Glockenblume, Wiesen-Kerbel, Gewöhnliches Labkraut und Persischer Ehrenpreis bestimmen.
Um die Erhaltung der Wiesenpflanzen sicher zu stellen, werden die Rodau-Wiesen, nach einem behördlich festgelegten Pflegeplan, jährlich nach der Blüte, gemäht. Ausgereifte Gräsersamen und Pollen fallen auf den Boden und sorgen für den „Nachwuchs“ in der nächsten Vegetationsphase.
Bleibt zu hoffen, daß auch die erforderliche Feuchtigkeit durch ausreichende Niederschläge für die Pflanzenvielfalt sorgt.
So beendeten wir bei einem beeindruckenden Sonnenuntergang und dem nochmaligen Ruf des Kuckucks unsere Abendwanderung. Die Sichtungen von Vögeln und anderen Wiesenbewohnern hielten sich leider in Grenzen.
Es bleibt ebenfalls zu hoffen, daß die intensive Beanspruchung durch Spaziergänger und Fahrradverkehr die Biodiversität des Auengeländes nicht verschlechtert. Leider wurden bereits Trampelpfade im NSG selbst angelegt, Hundeführer lassen ihren Vierbeiner freilaufen. Ohne Rücksicht auf den Lebensraum von Tieren und Pflanzen kann die Artenvielfalt nicht geschützt werden.